You are currently viewing Brühl am Limit: Noch mehr Bebauung?

Brühl am Limit: Noch mehr Bebauung?

Schwetzinger Zeitung 27.6.2026

Am 29. Juni erneut auf der Tagesordnung des Gemeinderats Brühl: Natur versus Versiegelung, Gewerbegebiet versus urbanes Wohngebiet.
Brühl ist mittlerweile eine der am dichtesten besiedelten Gemeinden in ganz Baden-Württemberg. Mit 1.406 Einwohnern pro Quadratkilometer ist nur noch Eppelheim dichter gepackt. Und wenn man die linksrheinische Kollerinsel nicht einbezieht, hat Brühl rechtsrheinisch fast 2.000 Einwohner pro Quadratkilometer. Was will man den Brühler Bürgern noch zumuten – mit Fingerzeig auf die sogenannte Grüne Mitte? Brühl ist „eine extrem verdichtete Gemeinde“. Wie kann es da sein, dass Brühl dennoch – ohne Not – die nahezu letzten freien Quadratmeter vernichten muss?
Jetzt sind wir beim eigentlichen Thema: Investor Wieland (JUHW) will in der Albert-Bassermann-Straße zwischen zwei Einfamilienhäusern hinter der Mozartstraße (Nähe Hima) 48 Wohn- und sechs Gewerbeeinheiten erstellen. Gebäudekomplexe mit bis zu vier Stockwerken.

Eine Fläche, in der sich seit über 70 Jahren eine unwiederbringliche Natur und Artenvielfalt angesiedelt hat. Warum will er das? Wegen Gewinnerwirtschaftung, sagte er selbst in öffentlicher Sitzung. Deswegen hat er die Grundstücke erworben. Und offensichtlich erhält er dafür jegliche Unterstützung des Bürgermeisters.

Der hat allerdings die Rechnung ohne den Gemeinderat gemacht. Folglich wird von einer Mehrheit im Rat die vorgezogene Bürgerbeteiligung verlangt und entschieden. Den Bürgern soll Gelegenheit gegeben werden, ihre Meinung mitzuteilen. Gegen den Willen des Bürgermeisters. Die Stellungnahmen der Bürger, Behörden und Unterschriftensammlungen kommen zum Ergebnis: Eine überwältigende Mehrheit ist gegen die Bebauung.
Bekanntgegeben erst jetzt, ein halbes Jahr später, mit der Veröffentlichung der Beschlussvorlage. Darin sind die Erarbeitung und die Bewertung nicht von der Gemeinde, sondern vom Planungsbüro Piske enthalten. Dem Planungsbüro, das auch für die Erstellung des Bebauungsplans beauftragt ist. Was die Frage aufwirft, wieso das Planungsbüro, das an der Umsetzung interessiert ist und davon profitiert, einen Interessenkonflikt hat. Dazu wurden alle Argumente aus der Bürgerschaft in der sog. „Synopse“ abgelehnt, meist mit den gleichen kurzen Argumenten, zum Beispiel „An der baulichen Nutzung der Flächen wird grundsätzlich festgehalten“ oder „Die Stellungnahme verkennt, dass bereits ein Bebauungsplan besteht“. Ein Blick in die betreffenden Unterlagen auf der Homepage der Gemeinde lohnt sich. In den Vorlagen erkenne ich einmal mehr, wie wesentlich darin die Gemeinderatsentscheidungen durch den Bürgermeister beeinflusst und gesteuert werden.

 

Blick auf die Fläche von der Albert Bassermann Str. aus. Bild: S. Triebskorn

Ich verstehe, wenn der Gemeinderat es leid ist, immer wieder die gleichen Argumente des Investors mit auffallend starker Rückendeckung des Bürgermeisters hören und durchzuarbeiten zu müssen. Endlose Schleifen ohne Betrachtung der wesentlichen Probleme für Umwelt, Bürger und Lebensqualität. Der Wert der Sträucher und Bäume dort findet wieder keine Beachtung. Die Lösung wäre doch ganz einfach. Lasst es Gewerbegebiet bleiben, wie es die IHK vorschlägt. Moderat und mit Blick auf die bestehende Naturfläche. Oder maximal ein allgemeines Wohngebiet, folglich mit reduzierter Bebauung, die sich der Umgebung anpasst, so der Vorschlag vom Baurechtsamt des Rhein-Neckar-Kreises. 

Und wie es die Untere Naturschutzbehörde verlangt, mit Ausgleichsmaßnahmen und Berücksichtigung des Artenschutzes. Denn mit dem Vorhaben des Investors würden 80 Prozent unwiederbringlich versiegelt, der Baumbestand der Kettensäge zum Opfer fallen. Ein Affront gegen alle Bemühungen, die Folgen des Klimawandels zu minimieren. Und Brühl würde sich mit dieser Versiegelung weiter in Richtung rekordverdächtigen Spitzenplatz als heißester Ort – neben Mannheim – bewegen. Wollen wir das?
kt