Gewinnmaximierung auf Kosten der Natur

Schwetzinger Zeitung, 13.12.2025

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Auf einem Grünstreifen, der an das Hima-Firmengelände (l.) grenzt, plant ein Investor unter anderem die Errichtung von mehrgeschossigen Wohnhäusern. Bild: Dirk Jansch

 

Das war zu erwarten. Zur Vorstellung des Projekts von 48 Wohn- und sechs Gewerbeeinheiten in bis zu viergeschossiger Bauweise in einer der letzten grünen Flächen in Brühl (Traumannswald, Albert-Bassermann-Straße) wurden die Bedenken der Besucher allesamt abgebügelt: Die viel zu massive Bebauung, die durch ein urbanes Wohngebiet möglich sein soll, die Blockierung der wichtigen Frischluftzufuhr durch die üblichen Südwest-Winde, der Mehrverkehr, die Parkplatzsituation, die Anbindung an ein oft überlastetes Abwassernetz und natürlich zum Wegfall der in Jahrzehnten entwickelten Natur. Ja, sogar eine mögliche Verwirkung des Baurechts gerade wegen der entstandenen Natur wurde angesprochen.

Brühl ist mittlerweile eine der am dichtesten besiedelten Gemeinden in ganz Baden-Württemberg. Mit 1.406 Einwohnern pro Quadratkilometer ist nur noch Eppelheim dichter gepackt. Und wenn man die linksrheinische Kollerinsel nicht mit einbezieht, hat Brühl rechtsrheinisch fast 2.000 Einwohner pro Quadratkilometer. Was will man den Brühler Bürgern noch zumuten – mit Fingerzeig auf die sogenannte „Grüne Mitte“? Aber das juckte die Verfechter, Bürgermeister und den Investor sichtlich nicht.

Die vortragenden Verfechter für ein urbanes Wohngebiet und damit für eine extrem verdichtete Bebauung wollten am Abend keine Zweifel daran lassen, dass die geplante Nutzung des Geländes, das dann zu 80 Prozent versiegelt werden soll, die Beste sei. Für wen oder was? Für maximale Gewinne aus geplanten Investitionen, unterstellte ich. Der angesprochene Investor Wieland verteidigte erwartungsgemäß die Gewinnerwirtschaftung. Er sei ja schließlich Unternehmer. Gewinnmaximierung auf Kosten der Anwohner, der Natur und zu Lasten des Siedlungscharakters?

Auf meinen Vorschlag, alternativ ein allgemeines Wohngebiet (WA) zu gestalten, angrenzend an das vorhandene, womit die massive Planung und die mögliche Lärmbelastung deutlich reduziert würden, folgte Schweigen. Dann das krasse Argument der vortragenden Verfechter: Die bis zu vierstöckige Bebauung würde den möglichen Gewerbelärm, zum Beispiel von Hima, abblocken und das vorhandene angrenzende Wohngebiet schützen. Wirklich krass. Wer möchte da noch hinziehen?, äußerte ich. In eine Riegelbebauung wegen möglichem Lärm?

Der Wert der mittlerweile dort angesiedelten Natur muss eine Berücksichtigung erfahren. Mit all den Großsträuchern und Bäumen, die der Mensch künstlich ersetzen müsste: die Sauerstoffproduktion, die Artenvielfalt, Lärmreduzierung, Temperaturabsenkung, Luftreinigung, Wasserspeicherung und natürlich die CO₂-Aufnahme.

Durch die geplanten Betonbauten wird das Gegenteil der Fall sein – ein drastisch hoher CO₂-Ausstoß. Derartige Berechnungen zum „Wert des Baumes“ sind im Internet abrufbar, haben aber in Brühl offensichtlich noch keinen Einzug gehalten. Da wird deutlich, wie dringend nötig für Brühl eine Baumschutzverordnung ist.

Mein Hinweis auf die notwendige Betrachtung des Paragrafen 34 Baugesetzbuch, nachdem das Einfügen in die vorhandene Bebauung gefordert wird, fand gegen Ende der Veranstaltung keine Freunde bei den Vortragenden und Verfechtern. Klar, bei links und rechts einstöckiger Bebauung sinkt gegebenenfalls der maximale Gewinn. Wenn alle Argumente nicht fruchten, denke ich, dann soll es Gewerbegebiet bleiben. Denn zu schmal ist das Gebiet für eine massive Nutzung.

Und mit den bestehenden Einschränkungen aus der zugrunde gelegten Abstandsliste von nahezu 200 nicht möglichen Gewerbearten beziehungsweise -betrieben und weiteren Nutzungseinschränkungen ist ein nicht störendes Gewerbe das Erträglichere. Mit der Hoffnung auf den Erhalt einiger der dort so wichtigen Naturflächen.

Gekauft hat der Investor ein Gewerbegebiet, das unter dem Vorzeichen „Funktionslosigkeit“ steht, dessen Planungsgrundlagen eventuell nicht mehr aktuell sind und einen Anpassungsbedarf an die Umweltbedingungen und Luftqualität nötig hat. Jetzt will der Investor ausnutzen, was geht. Und verlangt dafür die Umwandlung in ein urbanes Wohngebiet.

Die Gewinnmaximierung des Investors ist aber nicht das Problem der Bürger und nicht die Aufgabe der Gemeindeverwaltung. Letztere ist für die Bürger da. Und nicht nur für Investoren.

kt

Umweltverein: Jetzt geht es um die Gestaltung eines Begrünungskonzeptes für Brühl

29.01.2025

Die Mitgliederversammlung bringt die Bedeutung von Bäumen und Sträuchern erneut in den Fokus

Brühl. Begonnen hatte das Treffen mit dem Bild eines entworfenen Verbotsschildes 1,5° als Hinweis auf unsere dringenden Aufgaben hinsichtlich des Klimawandels sowie einem Foto des (unfreiwillig komischen) Brühler Plakats „Streuobstwiese statt Betonwüste“.
Die Mitgliederversammlungen sollen durch das Zeigen von Fotos und Abbildungen zu den einzelnen Themen lebendiger und interessanter werden, die Information umfassender. „Da sind wir auf dem richtigen Weg“, urteilte Bettina Hauck,  2. Vorsitzende des Vereins am Ende der Sitzung, „die Berichte zu den Projekten des vergangenen Jahres und zu den geplanten Aktionen im neuen Jahr werden durch bildhafte Darstellungen mittels Beamer nicht nur unterhaltsamer, sondern vor allem auch verständlicher, informativer und nachvollziehbarer“.

Zweimal Mini-Tiny Forest im Sonnenschein-Kindergarten

Der Umweltverein pflanzte zweimal je drei Säulenhainbuchen aus der vereinseigenen Baumaufzucht auf je einem Quadratmeter im Außenbereich des Kindergartens. Im Laufe der Jahre wird eine Beschattung für den Aufenthalt der Kinder entstehen. Und alle haben begeistert mitgeholfen, insgesamt sechs Gruppen mit ihren Erzieherinnen. Die Kinder werden die Bäumchen pflegend und gießend in ihrem Wachstum begleiten. Dazu der Bericht aus der Brühler Rundschau vom 6.9.2024. kt

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Brühler Rundschau vom 06.09.2024

Sonnenschein Kindergarten: Es grünt immer mehr!

"Wer will fleißige Gärtner sehn, der muss zu uns Kindern gehen!", so hörte man es ganz laut singen.

Am Freitag, den 30.08.2024 pflanzten die Kinder des Sonnenschein Kindergartens und der Sonnenschein-Krippe insgesamt sechs Spitzhainbuchen. Im Sonnenscheingarten entsteht ein Mini-Tiny-Forest.

"Die Recyclinglüge" - Filmabend im Evang. Gemeindezentrum Brühl

18.07.2024

Der Verein für Umwelt- und Naturschutz Brühl und Rohrhof e.V. veranstaltete am 17.7.2024 zusammen mit dem Grünen Gockel der Evang. Kirchengemeinde Brühl einen Filmabend eine Filmproduktion von A&O Büro mit dem Film „Die Recyclinglüge“

Das Problem der wachsenden Menge an Plastikmüll auf der Welt und steht der These gegenüber, dass Plastikverpackungen durch ihre Recyclingfähigkeit umweltfreundlich seien. Grüner Punkt, Gelber Sack, Sortieranlagen, Downcycling sind da die Schlagworte. Aber eine Verpackungsaufschrift 100% recycelbar führt noch lange nicht zur Umsetzung. Ist Recycling in Wahrheit „Greenwashing?“

Exkursion auf Friedhof: Großes Interesse an Fledermäusen in Brühl

Schwetzinger Zeitung vom 17.09.2024 von Marco Montalbano

Mehr als fünf Dutzend Interessierte nehmen am 13.9.2024 an einer Fledermausführung des Umweltvereins teil.  Auf dem Rohrhofer Friedhof erfahren sie Wissenswertes über die sagenumwobenen Tiere - und spüren sie selbst auf.

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Naturschutzbeauftragter Dr. Gerhard Rietschel mit einem selten zu sehenden Exemplar: eine Zwergfledermaus. © Marco Montalbano

Born lobt Initiative gegen Schottergärten

Sommertour: Landtagsvizepräsident Born besucht Umweltverein

12.08.2024 - Schwetzinger Zeitung - Von Noah Eschwey

 

20240812 daniel born foto eschweyLandtagsvizepräsident Daniel Born (l.) lässt sich vom Umweltvereinsvorsitzenden Klaus Triebskorn die Projekte erklären. Foto: Eschwey

Verein fordert Ende der Versiegelung von Freiflächen

03.07.2024

Mitgliederversammlung: Umweltverein wehrt sich gegen neues Baugebiet in der Siedlung / Baumpflanzungen angemahnt.

Brühl. Schon die kürzlich getroffene Entscheidung im Gemeinderat zu einem weiteren Restaurantkette ggü. der Trendfabrik im Brühler Norden führte beim 1. Vorsitzenden des Vereins für Umwelt- und Naturschutz Brühl und Rohrhof zu Unmutsäußerungen gegenüber einem „weiteren Fressbunker“ auf 4400 qm wertvoller Wiesenfläche. Die wäre lt. Triebskorn besser für eine Aufwertung der klimatischen Situation in Brühl geeignet gewesen. Z.B. mit einem dringend notwendigen Wiederaufbau eines Waldanteils. Triebskorn erinnerte an die Vernichtung von 5 Hektar Wald auf dem Schütte-Lanz-Gelände aus dem Jahr 2010 und weiteren Fällungen von Bäumen auf Gemeindegebiet.